Wenn alles eins ist, ist alles easy. Ich sage diesen Satz seit Jahren. Und ja, ich höre schon, wie er klingt: nach Postkarte, nach Yogamatte, nach einem dieser Sätze, die man sich schön auf den Bildschirmschoner klebt und dann vergisst, wenn der Montagmorgen wieder brutal reinknallt. Nur: er ist nicht nett gemeint. Er ist präzise gemeint. Und nirgendwo zeigt sich das deutlicher als in der Führung.
Die Führungsdebatte sucht gerade sehr laut nach Antworten. Mehr Strategie. Mehr Kontrolle. Bessere Systeme. Klarere KPIs. Und gleichzeitig – und das höre ich in meiner Arbeit mit Führungspersönlichkeiten immer wieder – wächst das leise Gefühl, dass das alles nicht der Kern ist. Dass da noch etwas anderes sein muss. Etwas, das nicht im nächsten Leadership-Buch steht und sich auch mit dem besten Executive Coach nicht einfachherbeitrainieren lässt. Besonders Frauen in Führungsrollen kennen diese Spannung ganz genau: Den Druck, Stärke zu beweisen – und gleichzeitig den tiefen Wunsch, einfach sie selbst zu sein. Durchsetzungsstark sein, aber bitte nicht zu hart. Empathisch sein, aber bitte nicht zu weich. Präsent sein, aber bitte nicht zu emotional. Diese permanente innere Verhandlung kostet Energie. Sehr viel Energie. Energie, die nicht nachwächst, nur weil man am Wochenendeeinmal abschaltet. Und die fehlt dann genau dort, wo sie gebraucht wird: im wirklichen Führen. Was, wenn das Problem nicht die Führungskompetenz ist – sondern das Selbstverständnis? Ich glaube, das ist der Kern. Nicht Strategie, nicht Methode, nicht Rhetorik. Sondern: Wer bin ich, wenn ich führe? Die meisten Menschen führen aus einer inneren Unvollständigkeit heraus. Aus dem Gefühl, noch nicht gut genug zu sein, noch etwas beweisen zu müssen, noch irgendwie ankommen zu müssen. Und das macht Führung schwer – nicht, weil die Person nicht fähig wäre, sondern weil Führung aus Mangel immer Kontrolle braucht. Man hält fest, statt loszulassen. Man erklärt, statt zuzuhören. Man sichert ab, statt zu vertrauen. Man optimiert nach außen,während innen der Motor auf der Reserve läuft. Das Gegenteil davon nenne ich nonduales Führen. Nondualität ist kein spirituelles Konzept. Es ist Quantenphysik Wenn wir tief genug reinzoomen in die Struktur der Realität – tiefer als jedes Mikroskop schauen kann –, gibt es keine Trennung. Keine klaren Grenzen zwischen „ich" und „du", zwischen „mein Unternehmen" und „mein Team", zwischen „Führerin" und „Mensch". Alles ist Schwingung. Alles ist verbunden. Alles ist eins. 2022 b...
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